was macht eigentlich…

Was machen eigentlich die Bergedorfer Engel in Zeiten von Corona?

… habe ich per eMail bei den Engeln nachgefragt. Hier nun der Gastbeitrag von Susanne Diem vom Bergedorfer Engel e.V. Team

Unser Ziel ist es, Obdachlose das ganze Jahr über mit dem Nötigsten zu versorgen und ihnen somit soviel Menschenwürde wie möglich zu bewahren. Der größte Bedarf besteht in Schlafsäcken, Isomatten, saisonal passender Bekleidung, Lebensmitteln, Getränken, Hygieneartikeln und Tierfutter.

An unseren regelmäßigen Terminen (14 täglich Reeperbahn mit bis zu 300 Gästen und wöchentlich Schanze/Altona bis zu 50 Gästen) bauen wir zusätzlich zu der Sachspenden-Ausgabe eine mobile Essensausgabe auf und sorgen neben einer warmen Mahlzeit, Getränken und Süßigkeiten für ein kleines bisschen „normales“ Leben auf der Straße. Für viele unserer Gäste sind unsere Verteilungen eine Art Treffpunkt geworden. Da die Pflege von sozialen Kontakten auf der Strasse denkbar schwierig ist, wird an den von uns aufgebauten Stehtischen nicht nur gegessen, sondern auch Klönschnack abgehalten. 

Zusätzlich zu den festen Terminen fahren wir regelmässig bei extremen Temperaturen sowohl im Winter mit Schlafsäcken, Winterkleidung, Snacks und Tee als auch im zum Teil tropisch heissen Hamburger Sommer mit Trinkwasser, frischer Kleidung und Sonnencreme Platten in Hamburg an. 

Da die obdachlosen Bergedorfer sehr « versteckt » leben, versorgen wir diese über die Soziale Beratungsstelle Bergedorf/Billstedt. 

Mit dem Corona-Shutdown brach die gesamte Infrastruktur für Hamburgs Obdachlose zusammen
keine Essensausgaben mehr, Tagesaufenthaltsstätten mit Dusch- und Waschmöglichkeiten und Kleiderkammern geschlossen, durch menschenleere Strassen fehlten die Einnahmen aus Becher- und dem Pfandsammeln, aber auch soziale Kontakte mit Passanten, die auf einen Klönschnack stehenbleiben. Eine traurige Form von Isolation. 

Da die Gesundheit durch das harte Leben auf der Strasse sehr angegriffen wird, gehören unsere Gäste zur Risikogruppe, aber ohne Rückzugs-, Behandlungs- und angemessene Genesungsmöglichkeit. 

Nach eingehender Beratung mit in der Obdachlosenhilfe tätigen Ärzten haben wir beschlossen, unsere Sonntags-Reeperbahn-Verteilung beizubehalten, aber auf eine reine Lebensmittelausgabe reduziert, mit ständiger Abstandskontrolle von ca. 180 Gästen. 

Ausserdem fahren wir seit dem Shutdown an ca. 4 Tagen/Abenden in der Woche Hamburger Platten individuell an, insgesamt versorgen wir auf diese Art unter Einhaltung der Corona-Hygienevorschriften ca. 200 bis 300 Menschen wöchentlich mit einer Mahlzeit, Snacks und notwendigen Sachspenden wie Schlafsäcken, Wäsche, Drogerieartikel, Mundschutz uvm.

Zunächst waren wir die einzigen Ehrenamtlichen, die unterwegs waren. Von Seiten der Stadt passierte nichts. Erfreulicherweise haben viele Hamburger*innen mit Herz entweder die Ärmel hochgekrempelt und Bedürftige versorgt, oder/und grosszügig gespendet. 

Langsam fahren wir unser regulares Programm wieder hoch
verteilen bei der Lebensmittelausgabe sonntags an die – in 1,5 m Abstand – wartenden Gäste Essen auf die Hand, auch die Donnerstagsausgabe findet seit letzter Woche wieder statt, allerdings müssen wir ständig darauf bedacht sein, Menschenansammlungen zu vermeiden. 

Anfang März gab es einen Corona-Fall in der Winternotunterkunft, die daraufhin unter Quarantäne gestellt wurde, ansonsten sind unsere Gäste, soweit wir informiert sind, und auch unser Team vom Virus verschont geblieben. Wir haben in dieser schlimmen Zeit viel bewegt, viele neue Unterstützer*innen gewonnen und haben auf der Strasse – wie immer – viel Dankbarkeit, Freundlichkeit und Bescheidenheit erlebt. 

Herzliche Grüsse von
Susanne Diem vom
Bergedorfer Engel e.V. Team
01.06.2020

Alle Fotos: Bergedorfer Engel e.V.

Redaktion:
Die Bergedorfer Engel wurden am 30. März 2014 aus einer privaten Intitiative heraus von Thorsten B., seiner Tochter Jennifer und Katharina M. gegründet.

Statt an den Menschen, die auf der Straße saßen vorbei zu gehen, sahen sie akuten Handlungsbedarf. Innerhalb kürzester Zeit brachten sie eine regelmäßige Versorgung für Bedürftige in Gang. Diese wurde viele Monate aus eigenen Mitteln bestritten. „Wir drei können mehr bewegen, als 1.000 andere die nichts tun.“ war dabei die gleichermaßen einfache wie logische Devise…
Mehr unter Bergedorfer Engel

Ein Gedanke zu „was macht eigentlich…

  1. Was für ein wunderbarer, anrührender Beitrag. Zum ersten Mal erfahre ich so von den „Engeln“, die auch in dieser Corona-Zeit ihre Arbeit fortsetzen. Vielen Dank dafür! Boike Jacobs

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